Das Thema tritt zurzeit wieder mehr in den Hintergrund, verständlich, viele andere Themen sind gerade aktueller, wirken bedrohlicher. Ob es die Demokratiekrise ist, politische Umbrüche, wirtschaftliche Unsicherheiten und gesellschaftliche Spannungen, Fragen zur KI, Digitalisierung, LGBTQ, etc.
Mit dem Thema Klimaveränderung beschäftigen wir uns schon lange, das Thema macht mürbe und die Erfolge sind langsam. Daher ernte ich in Kollegenkreisen immer häufiger Augenrollen, Schweigen und genervte Kommentare.
Dennoch - derzeit werden 2,9° Erderwärmung bis 2100 gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter prognostiziert! Der Gesundheitssektor ist für 5% der CO2 -Emissionen und weitere Umweltfolgen verantwortlich.
Haben wir uns bereits an das Thema Hitze und Hitzeschutz gewöhnt, prognostizieren renommierte Forscher, dass das Thema Starkregen mit Überschwemmungen, Sturm und Obdachlosigkeit das nächste sein wird und uns bedroht, wie wir jetzt schon weltweit beobachten können. In Deutschland sind wir seit der Katastrophe im Ahrtal relativ glimpflich davongekommen.
Aber die Auswirkungen der Klimakrise halten an und werden steigen, ziehen weitere Belastungen mit sich. Daher lohnt es sich nach wie vor das Thema „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“ voranzutreiben und trotz anhaltender Ermüdung und Unzufriedenheit weiter zu informieren und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Bereits jetzt betragen die Kosten und die Auswirkungen der Klimakrise Millionenbeträge und viel mehr.
Warum beschäftigen wir uns im Rahmen der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie besonders mit diesem Thema? Ja, unsere Kinder und Enkel werden noch mehr von der Klimakrise betroffen sein als sie jetzt schon sind. Die psychischen Auswirkungen werden langsam fassbar, sodass auch wir das Thema in die Behandlungszimmer nehmen müssen.
Und es gibt inzwischen etliche Netzwerke, Foren, Fortbildungen, die sich mit dem Thema befassen. Über einige möchte ich berichten, die auch für euch und Sie hilfreich und wertvoll sind, um das Thema für die Kinder und Jugendlichenpsychotherapie bewusst zu haben.
Die BPtK hat im letzten Jahr eine Fortbildungsmaßnahme angeboten. In der dreitägigen Online-Fortbildung vermittelten Expert*innen aus Praxis und Wissenschaft lebensweltnahes Wissen zu psychischen Belastungen im Kontext der Klimakrise. Kenntnisse in der diagnostischen Einschätzung und Behandlung psychischer Belastungen im Zusammenhang mit der Klimakrise und zur notfallpsychotherapeutischen Versorgung nach Extremwetterereignissen. Die Fortbildungen waren gut besucht, sehr gelobt, so dass auch in diesem Jahr die BPTK erneut die online Fortbildungen anbietet (https://www.bptk.de/neuigkeiten/bptk-curriculum-klimakrise-und-psychische-gesundheit-neue-Termine; https://www.ptk-nrw.de/aktuelles/meldungen/detail/klimakrise-und-psychische-gesundheit-online-fortbildung-der-bundespsychotherapeutenkammer-1)
In 2025 fand eine Round Table Staffel statt. PP, KJP und weitere Fachdisziplinen aus den Bereichen Politik, Metorologie, Krankenkassen diskutierten mit dem Ziel, den Herausforderungen im Zusammenhang von Psyche und Klima begegnen zu können.
Auch in den einzelnen Länderkammern finden vermehrt Angebote und Foren statt, um den Zusammenhang von Psyche und Klimakrise gerecht zu werden. In der Kammer NRW fand am 30. Oktober ein Symposium statt. Nicht nur der Umgang mit den bestehenden Auswirkungen wurde diskutiert, vielmehr auch was Prävention für einen Stellenwert haben muss. Karsten Schwanke, Meteorologe und Fernsehmoderator war einer der beliebten Referenten, der sehr gut Zusammenhänge und Auswirkungen veranschaulichte: „Karsten Schwanke sprach von einer Wahrnehmungslücke: „Ein Grad klingt harmlos – aber es verändert alles.“ Seine Botschaft: Wenn Wetterextreme zum Alltag werden, verändern sich auch Angst, Belastung und Bewältigung – Themen, die zunehmend in therapeutischen Kontexten an Bedeutung gewinnen.“ (https://www.ptk-nrw.de/aktuelles/meldungen/detail/symposium-klimaschutz).
Dr. Anne Hübner erinnerte in ihrem Vortrag daran, dass rund sechs Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen aus dem Gesundheitswesen stammen – mehr als aus dem Flugverkehr. Doch die Transformation sei im Gange: Mit Projekten wie „KLIK Green“ und dem Kompetenzzentrum „KliMeG“ würden konkrete Strategien entstehen, um Krankenhäuser und Praxen nachhaltiger zu gestalten.
PD Dr. Dirk Holzinger, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Oberarzt im Universitätsklinikum Essen, lenkte den Blick auf Kinder und Jugendliche, die besonders unter den Folgen des Klimawandels leiden. Er beschreibt, dass Kinder von Hitze, Allergien, Luftverschmutzung und psychischen Belastungen überproportional betroffen sind. Auch sozial schwächere Familien haben es deutlich schwerer sich anzupassen wie etwa durch größere Wohnungen oder kühlere Rückzugsräume. Seine Forderung: „Gesundheitsschutz heißt auch Generationenschutz.“.
Prof. Dr. Silvia Schneider, Rektorin des Forschungs- und Behandlungszentrums für psychische Gesundheit der Hochschule Bochum, konnte noch einmal faktenreich erläutern, dass Kindheit und Jugend sich als besonders vulnerable Zeit für die Entwicklung psychischer Störungen erweisen würden. Junge Menschen berichten zunehmend von Sorgen und Belastungen im Zusammenhang mit der Klimakrise, dies sei ein bedeutender Risikofaktor in diesem sensiblen Entwicklungsfenster. Entsprechend dringlich sei die Aufgabe, psychische Gesundheit und Klimaresilienz bei jungen Menschen zu stärken. Ausschnitte der Veranstaltung finden Sie hier: https://www.ptk-nrw.de/aktuelles/meldungen/detail/symposium-klimaschutz
Die Vernetzung mit anderen Akteuren ist ein Ziel der Kammerarbeit, um so gemeinsam das Thema „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“ voranzutreiben.
Die Zusammenarbeit mit Klug e.V., Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (https://www.klimawandel-gesundheit.de/) bietet viele Vorteile. Wer ein breitet und aktuelles Wissen wünscht, hier kommt es aus den unterschiedlichsten Richtungen zusammen.
Wir als Bundesverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen sind auch Mitglied im Klimaforum, initiiert durch den GK II. Der GK II ist wiederum ein Zusammenschluss psychotherapeutischer Fach- und Berufsverbände. Das Klimaforum tagt ca. 8-wöchig und dient dem Austausch zu Klimahandeln durch Verbände. Es ist auch offen für Kolleg*innen, die in den Landeskammern aktiv sind. Beim diesjährigen Treffen am 27.1.2026 wurden Vertreter*innen aus den Kammern und weiteren Fachforen hinzu geladen. Gemeinsames Handeln ist Ziel aller.
Nun auch die Bitte an Sie als niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut* innen, dass Sie das Thema mit in ihre Praxis und in das Behandlungszimmer nehmen. Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen Raum und die Möglichkeit sich mitzuteilen, über die Belastung oder Bedrohung durch unterschiedliche Krisen zu sprechen, sie brauchen unsere Unterstützung, Prävention spielt eine sehr wichtige Rolle.
Die globale Krise können wir nicht allein, aber gemeinsam verändern.
Eine Übersicht über die gesundheitlichen Auswirkungen der Klima- und Umweltveränderungen bietet auch der Lancet Countdown (https://lancetcountdown.org/)
